Abschied von Sonntagsreden – Ankommen beim alltäglichen Umsetzen

Ergebnisse Fachtagung "Eine Welt in SH" 28.10.2013 in Eckernförde

Dieser Artikel ist im "Gegenwind" erschienen.

Unter stürmischen Vorzeichen veranstalteten am 28.10.2013 das Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein e.V. gemeinsam mit dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) und dem Städteverband Schleswig-Holstein im Technologie- und Ökologiezentrum in Eckernförde die Fachtagung „Eine Welt in Schleswig-Holstein“. 55 TeilnehmerInnen konnte der Bürgermeister der Stadt Eckernförde, Jörg Sibbel, mit seinem Grußwort begrüßen.

Eine Leitfrage und ein Leitziel waren der Veranstaltung als Aufgabe gestellt. Tagtäglich wirken wir mit unseren Entscheidungen und unserem Handeln auf unsere Eine Welt ein. Theoretisch ist uns dies bewusst, und vor allem an Sonntagen stimmen wir weitgehend darin überein, dass wir mit unserem Handeln die Handlungsoptionen anderer Menschen in anderen Ländern nicht einschrän-ken wollen. Es ging in dieser Veranstaltung nicht um die politisch inhaltliche Verortung der Herausforderungen, die sich uns gegenwärtig in der Entwicklungszusammemnarbeit stellt, sondern vielemehr um die Frage wie diese auch nicht neuen Erkenntnisse an Montagen in konkretes Handeln münden können? Neben dieser Frage nach der Realisierung bekannter Ziele war es erklärtes Ziel dieser Veranstaltung, kommunalpolitische VertreterInnen und entwicklungspolitische Akteure in einen Arbeitszusammenhang zu vernetzen.

Eckernförde war aus guten Gründen gewählt. Die Stadt unterhält bereits seit 1963 eine Städtepartnerschaft mit der Hafenstadt Tanga in Tansania. Eckernförde hat „in diesen 50 Jahren Erfahrungen gesammelt, wie unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in beiden Städten Entwicklungszusammenarbeit erfolgreich gestaltet werden kann, aber auch, welche Probleme bei einer kommunalpolitischen Entwicklungszusammenarbeit manchmal überwunden werden müssen“. (Jörg Sibbel, Bürgermeister der Stadt Eckernförde) Außerdem wird in Eckernförde seit über 30 Jahren fair gehandelt. Das ist, so Bürgermeister Sibbel, ein Indikator dafür, dass in Eckernförde „ein ausgeprägtes Bewusstsein für den fairen Handel und die damit einhergehenden Verantwortun-gen und Möglichkeiten vorhanden“ ist. Am 20.10.2012 wurde Eckernförde zur 100. Fairtradestadt Deutschlands und nach Lübeck zur 2. Fairtradestadt Schleswig-Holsteins und damit auch zur nördlichsten Fairtradestadt Deutschlands ernannt.

Dr. Ulf Kämpfer, Staatssekretär im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) spannte den Bogen der Dringlichkeit von Entwicklungszusammenarbeit. „Jetzt wird langsam deutlich, dass eine Konsequenz der Globalisierung, des Kleinerwerdens unserer Welt, auch das Heranrücken der Probleme bedeutet, also uns alle unmittelbar zu betreffen beginnt. Flucht vor den Auswirkungen instabiler oder totalitärer politischer Systeme, vor dem blanken Hunger, vor absoluter Chancenlosigkeit, Migration, Zuwanderung – dies sind die Stichworte, die die Medien zunehmend beherrschen. EZ ist also kein Barmherzigkeitsprojekt mehr, sondern eines, das – von vielen noch unbemerkt oder verdrängt – zunehmend mit unserem Alltag zu tun hat oder bekommen wird.“

Der Fachtag war gleichzeitig Abschluss unseres Projekts Schleswig-Holsteinische Entwick-lungszusammenarbeit (SHEZ), das die Recherche und Ausarbeitung eines Status Quo der EZ in Schleswig-Holstein, auf der ökonomischen, politischen und kulturellen Ebene beinhaltete. Durch die Aufarbeitung der Rechercheergebnisse sollen nachhaltige Strukturen in Schleswig-Holstein in Bezug zur EZ geschaffen werden, die als Basis für die Initiierung eines Prozess zur Erarbeitung von entwicklungspolitischen Leitlinien dienen sollen, der landesweit verschiedene Akteure der Schleswig-Holsteinischen EZ miteinbezieht. Ein Modul von SHEZ war die erneute Ausrichtung des landesweiten Schulwettbewerbs „Lebensweltmeister 2013“ diesmal mit dem gleichnamigen inhaltlichen Schwerpunkt „Entwicklungszusammenarbeit“ aus der Perspektive eines gezogenen DAC-Landes. (Siehe Kasten Ausschreibung 2014)

Die gemeinsam mit dem MELUR und dem Städteverband Schleswig-Holstein organisierte Fachtagung wollte insgesamt einen Beitrag leisten, die vielfältigen Beispiele kommunalpolitischer Entwicklungszusammenarbeit und entwicklungspolitischer Inlandsarbeit bekannt zu machen, zum Nachmachen anzuregen und Vernetzung zu unterstützen. Um die vielfältigen Aktivitäten in einen Zusammenhang zu stellen, haben wir neben dem Grußwort von Bürgermeister Sibbel und des Staatsekretärs Dr. Ulf Kämpfer, die Methode des Worldcafes mit anschließenden Vertiefungswork-shops gewählt, um allen TeilnehmerInnen die Möglichkeit zu geben, verschiedene Formen der Aktivitäten kennezulernen und zu hinterfragen. Danach wurden dann zu den Themen Vertiefungsworkshops angeboten. Die Ergebnisse sind in den Kästen zusammengefasst.

 

Fazit

Die Vernetzung von kommunalpolitischen VertreterInnen und entwicklungspolitischen Akteuren wurde erreicht. Jeder Workshop ist mit einem Arbeits- und Zeitplan versehen, der zu Ergebnissen führt, die wir auf einem 2 . Fachtag Eine Welt in SH im Herbst 2014 bilanzieren und neue Ziele entwickeln. Genaue Zeit und Ort wird spätestens im Mai 2014 bekannt gegeben.


Ergebnisse der Workshops

Fair Trade Towns und Nachhaltige Beschaffung:

  • Erweiterung der bisher weitgehend vierteljährig stattfindenden BEI-internen Arbeitsgruppe Produktion und Konsum um kommunale VertreterInnen.

Einrichtung einer Gruppe auf der landesweiten Plattform die lernende Stadt, www.die-lernende-stadt.de/www.kiel.die-lernende-stadt.de

Das BEI plant eine gewünschte gemeinsame Fortbildung/Exkursion der Akteure im Süd-Nord-Kontor in Hamburg für Januar/Februar 2014

Auflage einer Broschüre zu nachhaltiger Beschaffung in SH, die Ende 2013 oder Anfang 2014 vom BEI produziert wird.

  • Ansprechpartner zum Fairen Handel, Nachhaltige Beschaffung sowie zum Tariftreue- und Vergabegesetz ist Markus Schwarz, Promotor für Fairen Handel und Nachhaltige Beschaffung, Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein e.V., Tel.: 0481-64059885
    Mobil: 01725737044, markus.schwarzbei-sh.org


Städte-/Schulpartnerschaften

  • Konstituierung eines kontinuierlichen Forums, um den Austausch über Stand und Formen von Partnerschaften zu gewährleisten.

Fortbildungsveranstaltung zu Erleichterung von Anträgen an das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie Hinterfragung von Zielen der Fördertöpfe kommunaler Entwicklungszusammenarbeit, die oftmals eher klassische Entwicklungshilfe zum Ziel haben. Verantwortlich für diesen Prozess sind die Veranstalter BEI, MELUR und Städteverband SH

Für den Austausch und die Vernetzung ist der Bekanntheitgrads des Partnerschaftsportals des Bündnis Eien Welt SH zu verbessern.

Erarbeitung eines vollständigen Verzeichnisses aller Städte-, Schul- und Kirchenpart-nerschaften in Schleswig-Holstein

  • Fragen, Anregungen oder Angaben zu Nord-Süd-Partnerschaften an Katharina Desch, Promotorin für Nord-Süd-Partnerschaften, Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein e.V., Tel: 04505-570876, katharina.deschbei-sh.org


Globales Lernen

  • Vielfalt der Kulturen durch Bildungsarbeit vermitteln; zu finden ist die Vielfalt in den Vereinen und Verbänden Schleswig-Holsteins

Parteipolitische Kontexte konnten bisher im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Zukunfts-gestaltung nicht ergebnisorientiert hergestellt werden

diese Rolle kann von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) gefüllt werden, „wir als Gesellschaft gestalten Zukunft“, das müsste durch die Vereine und Verbände koordiniert und geleistet werden

Vernetzung durch eine Best-Practise-Börse in der Bildungsarbeit im kommunalen Zusammenhang

  • Fragen und weitere Anregungen an Nicole Gifhorn, Promotorin für Globales Lernen, Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein e.V. Tel.: 04631-611634, Mobil: 0151-21753715, nicole.gifhornbei-sh.org


Eine Welt Bilanz Aschaffenburg

Die von der Stadt Aschaffenburg nach 10 Jahren zum 2. Mal aufgelegte Eine Welt Bilanz interessiert weil:

  • sie Entwicklungszusammenarbeit/Aktivitäten auf eine Stadt runterbricht und und das oftmals sperrige oder abstrakte Thema konkretisiert. Über die Fragen der Indikatorenentwicklung und -überprüfung könnten wir auch Universitäten interessieren.

=> Es wird geprüft, inwieweit dies auf eine Stadt in Schleswig-Holstein von der Form her übertragbar/weiterentwickelbar ist und inwieweit Universitäten in SH dafür zu begeistern wären. Fragen und Anregungen an Martin Weber, BEI-Geschäftsstelle. Tel.: 0431-679399-00, | martin.weberbei-sh.org


Meldung der Kieler Nachrichten

Auch die KN hat über die Konferenz berichtet: Klick!

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