Austausch im Rahmen des Welternährungstages

Film- und Diskussionsabend „Danke für den Regen“ im Studio Kino Kiel

Ein Bericht von Lea Kleymann (BEI)

Am 13.10.2020 lud das Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein gemeinsam mit Brot für die Welt im Diakonischen Werk Schleswig-Holstein zu einem Film- und Diskussionsabend in das Studio Kino am Dreiecksplatz in Kiel ein. Der Einladung folgten rund 60 Besucher*innen aus Kiel und Umgebung, um sich mit den Themen Wasserknappheit, Klimawandel und den daraus resultierenden Herausforderungen für die Landwirtschaft weltweit auseinander zu setzen. Der Teilnehmer*innenkreis war dabei sehr gemischt, sowohl, was das Alter anbelangte, als auch den beruflichen Hintergrund.

Der Film „Danke für den Regen“, der das Schicksal des Bauern Kisilu betrachtet, bewegt und regt zum Nachdenken an. Ernteverluste durch zunehmende Trockenheit und damit verbundene Existenzängste bestimmen den Alltag des Kenianischen Bauern und seiner Familie. Durch Kontakte zu norwegischen Umweltaktivist*innen konnte Kisilu auf der Klimakonferenz 2015 sprechen. Sein Resümee ist so scharf wie ernüchternd. Die Politiker*innen auf der Klimakonferenz wollen nichts von dem Leiden unter den Folgen des Klimawandels hören, denn sie wollen nichts ändern. Es geht einzig und allein ums „gesehen werden“.Nach diesem ehrlichen und gleichzeitig zerschmetternden Ende hat der Moderator des Abends, Jan Sachau, die Diskutierenden begrüßt. Herr Hirschberg (Bauernverband SH), Frau Fohrer (CAU), Frau Wosnitza (Milchbäuerin) und Herr Riecken stiegen direkt in das Gespräch ein.

Fragen wie: Wie gingen Landwirt*innen mit dem Regen 2017 und den anschließenden Dürrejahren (2018 und 2019) um? Was spielt der Boden oder der Standort für eine Rolle? Und sind die SDGs (Sustainable Development Goals) in der landwirtschaftlichen Ausbildung angekommen? Denn genau das sind die Landwirt*innen von morgen, die unsere Böden bewahren und CO2 einsparen könnten. Was wünschen sich die Diskutierenden für die Zukunft?

Es steht außer Frage, dass die landwirtschaftlichen Akteur*innen und die Verbraucher*innen zusammen kommen müssen, um in den Dialog zu treten. Hieraus können neue dynamische Ideen entstehen, sowie ein besseres Verständnis für die Landwirtschaft resultieren. Nicht nur wegen der extremeren Wetterlage der letzten Jahre, sondern auch vor dem Hintergrund stetig steigender Temperaturen müssen landwirtschaftliche Prozesse klimaschonend oder –neutral werden. Zum Beispiel durch Agroforstsysteme, die in einer Symbiose zwischen Bäumen und Nutzpflanzen enorme Vorteile bieten. Die Schwierigkeit liegt aber häufig darin, dass Landwirt*innen nicht für den Mehrwert oder die Kostendeckung der Externalitäten subventioniert werden. Solange das landwirtschaftlich erzeugte Produkt auf einem durch Preispolitik dominierten Markt gehandelt wird, können Landwirt*innen weder mit Planungssicherheit noch mit einem kostendeckenden Preis rechnen. Alle Diskutierenden waren sich einig, dass ein Wandel notwendig ist Ob dieser Wandel durch eine Klimafördernde Agrarpolitik zustande kommt, die Sozial- und Umweltstandtards verbindlich setzt , oder die Konsument*innen, die mit ihren täglichen Kaufentscheidungen erheblichen Einfluss nehmen und damit Veränderungen bringen, darüber waren sich die Diskutierenden uneinig. Auch die globale Verantwortung, vor allem mit Blick auf den Film, wurde von allen Podiumsgästen mehrfach betont. So leben wir auf einem gemeinsamen Planeten und das Wirtschaften und Bearbeiten der Äcker hier hat Auswirkungen auf Länder des globalen Südens, die schon heute um ein vielfaches stärker von den Folgen des Klimawandels betroffen sind.

Um die Frage der SDGs im Fachschulunterricht aufzuklären: Nein, richtig angekommen sind diese noch nicht in den landwirtschaftlichen Fachschulen. Aber der Grundstein ist gesetzt, langsam setzen sich Landwirt*innen mit Nachhaltigkeit und auch den SDGs auseinander. Wahrscheinlich durch den gesellschaftlichen Druck, die breiter aufgestellte Bildung und die Änderung des Mensch-Tier-Verhältnisses. Landwirt*innen möchten mehr leisten, werden aber durch anspruchsvolle körperliche Arbeit, geringe Bezahlung und den marktwirtschaftlichen Druck gehemmt.

Zum Ende der Podiumsdiskussion hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit sich mit Ihren Fragen in die Diskussion einzubringen, was sehr rege genutzt wurde.

Wir danken den Diskutierenden und dem Moderator, die den Abend zu einer großartigen Veranstaltung gemacht haben. Dies war die erste physische Veranstaltung im Modul Landwirtschaft im Rahmen des Projektes zu den globalen Nachhaltigkeitszielen (SDGs) des Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein e.V. (BEI) und ein großer Erfolg. Sie macht Lust auf mehr!

Veranstalter:
Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein e.V. (BEI), Brot für die Welt im Diakonischen Werk Schleswig-Holstein

Die Veranstaltung war Teil des  SDG-Jahresthemenprogrammes „Die Sustainable Development Goals (SDG) in Schleswig-Holstein – Nachhaltigkeit auf dem Prüfstand“ des BEI, in Kooperation mit Brot für die Welt im Diakonischen Werk Schleswig-Holstein, gefördert durch Engagement Global mit fi nanzieller Unterstützung des BMZ, BINGO! Die Umweltlotterie, den Katholischen Fond
sowie den kirchlichen Entwicklungsdienst der Nordkirche (KED).

 

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Weitere Infos und Kontakt

Frauke Pleines
stellv. Projektleitung "Die Sustainable Development Goals (SDGs) in Schleswig-Holstein"

Tel.: 0431-679399-02

Im Allgemeinen telefonisch erreichbar:
Montag bis Donnerstag von 9 bis 16 Uhr
Freitag 9-13 Uhr

 

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