Podiumsdiskussion (aus der Reihe "Arm | Reich – Glokale Ungleichheiten im Spiegel der Stadt")

Arm an… – Reich an… Die Agenda 2030 im Spiegel der Stadt

Ein Bericht von Louisa Osburg (BEI)

Am 28.10.21 lud das Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein e.V. in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung zu einer Podiumsdiskussion ein und begrüßte in der Runde Frauke Wiprich (LH Kiel), Ivy Wollandt (Paritätischer SH) und Davide Brocchi (Freiberuflicher Stadt-und Nachhaltigkeitsforscher). Vor dem Hintergrund des Weltstädtetages, der jährlich am 31.Oktober stattfindet, beleuchtete die Veranstaltung den Umsetzungsstand der globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) in unserer Stadt und setzte im Kontext der Reihe Arm | Reich den Fokus auf das Thema „Soziale Ungleichheiten“.

Vor mehr als fünf Jahren wurde von den Vereinten Nationen die Agenda 2030 verabschiedet, die weltweit ein Fahrplan für eine nachhaltige Zukunft sein soll. Der Blick auf die bisherige Umsetzung der SDGs stimmt jedoch nachdenklich. Kann sich die Bevölkerung mit Dokumenten identifizieren, die nicht konsequent von deren Unterzeichner*innen verfolgt werden?

Im Jahr 2017 hatte sich Kiel dazu bekannt, die Lokalisierung der SDGs voranzubringen und dafür finanzielle und personelle Ressourcen bereitgestellt. Zunächst ging es darum, die SDGs überhaupt erstmal in der Verwaltung bekannt zu machen. Inzwischen dienen die SDGs als eine Art Referenzrahmen für viele verschiedene Aktivitäten im Bereich der Nachhaltigkeit. Es handelt sich um einen langen Prozess, über dessen partizipative Offenheit sich die Geister scheiden und bei dem die Wahrnehmung aktiver, einflussreicher Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger*innen in unterschiedliche Richtungen verschwimmt.

Wie können wir verschiedene Interessen in eine gemeinsame Struktur bringen? Und wie hängen die lokalen Handlungen mit globalen Strukturen zusammen? Wie verhindern wir, dass die Transformation in Blasen stattfindet? Wie erreichen wir insbesondere sozialisolierte Menschen? Partizipation braucht Augenhöhe. Diese setzt einen sozialen Ausgleich voraus. Wir können die Armut allerdings nicht überwinden, ohne den Reichtum infrage zu stellen. Warum müssen wir immer weiterwachsen, wenn wir auch umverteilen können? Sozial schwache Stadtteile wie Kiel-Gaarden und Kiel-Mettendorf brechen in ihrem Bild stark aus dem Stadtkern heraus. Kinder, deren Eltern sozial abhängig sind, bekommen die Unterschiede schonungslos zu spüren. Um sich mit Fragen der Stadtgestaltung beschäftigen zu können, müssen zunächst die Grundbedürfnisse abgedeckt sein.  Kinder sollten bereits im Kindergarten und in der Schule (bspw. durch gemeinsames Frühstück) soziale Sicherheit und Gleichberechtigung erfahren. Zielgruppen, die wir in der Transformation erreichen wollen, müssen auch Teil dieser sein und sich angesprochen fühlen. Um stabile, soziale Prozesse voranzutreiben, sollten wir nicht nur darüber reden, sondern uns ausreichend Raum zum Ausprobieren schaffen und aus Erfahrungen zu lernen.

Die Corona-Pandemie hat deutlich gemacht, wie sehr wir durch die Globalisierung miteinander verschränkt sind und wie verwundbar uns nicht-nachhaltiges Handeln macht. Bei der Beschäftigung mit der Agenda 2030 müssen alle SDGs ganzheitlich betrachtet werden. (Politische) Maßnahmen sollten unter Berücksichtigung der sozialen Perspektive geplant werden; bspw. braucht man für Regenwasserzisternen und Lastenfahrräder, die zum klimafreundlichen Alltagsverhalten beitragen sollen, Wohneigentum bzw. ausreichend finanzielle Mittel.

Wir danken unseren Podiumsgästen, unserer Moderatorin Teresa Inclán sowie allen Teilnehmenden für die anregende Diskussion.

 

 

Veranstalter*in: Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein e.V. (BEI)

 

Die Veranstaltung war Teil der Reihe "Arm | Reich – Glokale Ungleichheiten im Spiegel der Stadt" aus dem SDG-Jahresthemenprogramm „Die Sustainable Development Goals (SDG) in Schleswig-Holstein – Nachhaltigkeit auf dem Prüfstand“ des BEI in Kooperation mit der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Kiel sowie der Heinrich-Böll-Stiftung SH, gefördert durch Engagement Global mit finanzieller Unterstützung des BMZ, BINGO! Die Umweltlotterie sowie des Kirchlichen Entwicklungsdienstes der Nordkirche (KED), des Katholischen Fonds, des Förderfonds „Zusammenhalt stärken – Teilhabe sichern“ der LH Kiel, der Rosa-Luxemburg Stiftung SH sowie des Verfügungsfonds Neumühlen-Dietrichsdorf im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms Soziale Stadt.

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