Filmvorführung mit Austausch & fairem Dinner (aus der Reihe "Arm | Reich – Glokale Ungleichheiten im Spiegel der Stadt")

Wohnen weltweit – Ein Grundrecht wird zum Luxusgut

Ein Bericht von Louisa Osburg (BEI)

Am 23.10.21 lud das Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein e.V. in Kooperation mit der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde zu einem Filmnachmittag zum Thema „Wohnen weltweit – Ein Grundrecht wird zum Luxusgut“ ein und ließ den Austausch mit einem gemeinsamen, fairen Abendessen der ResteRitter ausklingen, die sich gegen Lebensmittelverschwendung und Kinderarmut engagieren.

In dem Dokumentarfilm „PUSH – für das Grundrecht auf Wohnen“ des schwedischen Regisseurs Fredrik Gertten interviewt Leilani Farha (UN-Sonderberichterstatterin für das Menschenrecht auf Wohnen) Menschen weltweit und setzt sich für ein Bewusstwerden der entgegengesetzten Entwicklung von Vorstellung und Realität im Kontext des menschenwürdigen Wohnens ein.  Das persönliche Leid der Personen, welches durch unverhältnismäßige Mieterhöhungen und Wohnungsräumungen entsteht, ist erschütternd. Wohnungen, die als Zuhause dienen sollen, werden von Geldgeschäften großer Konzerne überrannt sowie als Geldanlage genutzt, bei der es keine Rolle mehr spielt, ob sie in ihrer leeren Hülle ganze Gegenden zu Geistervierteln erklärt.

Wie schaut es bei uns in Kiel aus und wie kann die Problematik (global) angegangen werden? Für diese und weitere Fragen leitete unsere Moderatorin Teresa Inclán nach der Filmvorführung einen Austausch mit Sebastian Rehbach (Verwaltungsleitung und stellvertr. Geschäftsführer der Stadtmission Mensch) und Katharina Schmidt (Wissenschaftl. Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe „Kritische Geographien globaler Ungleichheiten“ im Institut für Geographie der Universität Hamburg) ein. In Kiel gibt es rund 1500 Wohnungslose, die ordnungsrechtlich in der Stadt untergebracht sind. Gründe der Wohnungslosigkeit sind u.a. Zwangsräumungen, Todesfälle von Angehörigen, soziale Probleme, Suchterkrankungen, Kündigungen, Flucht aus dem Heimatland oder erfolglose Wohnungssuchen beim Einzug in die Stadt. Die Unterbringung soll Menschen helfen. Doch einmal darauf angewiesen, wird es schwierig, wieder eigenen Fuß zu fassen. Im privaten Wohnraum entscheidet der/ die Vermieter*in nach verschiedenen, auch teils diskriminierenden Kriterien und lässt sich meist von der zuvor da gewesenen Abhängigkeit abschrecken.  Jeder Mensch hat ein Recht auf Wohnen, doch kann dieses Recht in Deutschland nicht eingeklagt werden. Unser Nachbarland Frankreich besitzt ein solches Gesetz, scheitert aber an den schwachen Folgen einer Missachtung. Mit einer Strafe kommt der/ die Vermieter*in billiger davon als Wohnraum zu stellen. Dementsprechend findet das Recht keine Beachtung. Mieter*innen müssen trotz unveränderter Löhne zudem mit Mieterhöhungen rechnen. In Kiel ist eine deutliche Verschiebung ärmerer Bevölkerungsschichten zu beobachten. Die Stadtviertel Gaarden und Mettendorf weisen starke, soziale Unterschiede zu anderen Vierteln der Stadt auf, deren Miete für sozial schwächere Haushalte zu teuer ist. Mehr Kultur und junge Bevölkerung sollen den Stadtvierteln ein neues Image verpassen. Doch löst diese Idee wirklich soziale Probleme oder nur statistische Fallzahlen?

Weltweit kämpfen Menschen um ihren Wohnraum und werden um ihr Menschenrecht gebracht. Eine der großen Schwierigkeiten ist die um sich greifende Hilflosigkeit aufgrund der komplexen Prozesse, die man als Mieter*in nicht durchsteigt. Der im Film aufgezeigte Zusammenschluss einzelner Personen an verschiedenen Orten und das somit entstandene, global vernetzte System machen Hoffnung auf gemeinsamen Erfolg, in dem sich Städte und Bürger*innen gegenseitig durch gelungene Ideen inspirieren können. Es handelt sich um ein mit Scham behaftetes Thema, bei dem deutlich gemacht werden muss, dass es niemanden alleine betrifft, sondern eine ganze Vielzahl an Mitmenschen. Das Thema sollte mehr Aufmerksamkeit erlangen, durch eine öffentliche Behandlung Bewusstsein schaffen und durch rechtliche Beratung bzw. das nötige Know-How jeden Einzelnen darin ermutigen, für sein Recht auf Wohnen einzustehen.

Die Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele wie SDG1 (keine Armut), SDG3 (Gesundheit & Wohlergehen), SDG10 (Weniger Ungleichheiten) und SDG11 (Nachhaltige Städte & Gemeinden) wird durch die Wohnproblematik gefährdet. Das Menschenrecht auf Wohnen sollte demnach auch in dem Vorhaben der Agenda 2030 Berücksichtigung finden.

 

Veranstalter*in: Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein e.V. (BEI)

 

Die Veranstaltung war Teil der Reihe "Arm | Reich – Glokale Ungleichheiten im Spiegel der Stadt" aus dem SDG-Jahresthemenprogramm „Die Sustainable Development Goals (SDG) in Schleswig-Holstein – Nachhaltigkeit auf dem Prüfstand“ des BEI in Kooperation mit der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Kiel sowie der Heinrich-Böll-Stiftung SH, gefördert durch Engagement Global mit finanzieller Unterstützung des BMZ, BINGO! Die Umweltlotterie sowie des Kirchlichen Entwicklungsdienstes der Nordkirche (KED), des Katholischen Fonds, des Förderfonds „Zusammenhalt stärken – Teilhabe sichern“ der LH Kiel, der Rosa-Luxemburg Stiftung SH sowie des Verfügungsfonds Neumühlen-Dietrichsdorf im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms Soziale Stadt.

Sie haben Interesse an dem Thema globale Nachhaltigkeit?

Zur Themenseite

Zurück